Eine typische Ausgangslage: rund 2 TB auf vier Netzlaufwerken, 80 Prozent davon auf zwei Freigaben, ein Internetanschluss mit 200 Mbit. Die Daten sollen nach SharePoint Online, ohne dass die Mitarbeitenden im Tagesgeschäft etwas davon merken.
Ob das in einem Wochenende oder in drei Wochen erledigt ist, lässt sich vorab erstaunlich gut eingrenzen. Man muss nur die richtigen Grössen kennen.
Die reine Leitungsrechnung
200 Mbit pro Sekunde sind 25 Megabyte pro Sekunde, also rund 90 Gigabyte pro Stunde. 2'166 GB brauchen damit gut 24 Stunden, wenn die Leitung zu hundert Prozent für die Migration genutzt wird und nichts anderes stört.
Das ist die Untergrenze. Sie ist nützlich, weil sie zeigt, in welcher Grössenordnung man plant: Stunden bis Tage, nicht Monate. Für die echte Planung kommen drei Korrekturen dazu.
Korrektur 1: Es zählt der Upload
Bei einer Migration in die Cloud fliessen die Daten hinaus. Viele Anschlüsse sind asymmetrisch: 200 Mbit im Download, aber deutlich weniger im Upload. Bevor irgendetwas geplant wird, gehört die tatsächliche Upload-Bandbreite gemessen, und zwar zu den Zeiten, in denen später migriert wird.
Korrektur 2: Die Anzahl Dateien bremst mehr als die Grösse
Zwei Terabyte in wenigen grossen Dateien sind schnell übertragen. Zwei Terabyte in einer Million kleiner Office-Dokumente nicht, weil jede Datei einzeln übertragen, verarbeitet und mit Metadaten und Berechtigungen versehen wird. Bei gewachsenen Fileservern ist die Leitung deshalb oft gar nicht der Engpass.
Darum ersetzt keine Rechnung eine Testmigration: eine repräsentative Abteilung, ein paar hundert Gigabyte, gemessener Durchsatz. Erst mit diesem Wert wird der Zeitplan belastbar.
Korrektur 3: Der Tagesbetrieb hat Vorrang
Während der Arbeitszeit braucht die Organisation ihre Leitung selbst, für Teams-Besprechungen, Mail und Fachanwendungen. Die grosse Erstkopie gehört deshalb in die Nächte und an die Wochenenden. Wer tagsüber trotzdem kopieren will, begrenzt die Bandbreite der Migrationsserver, zum Beispiel mit einer QoS-Richtlinie oder an der Firewall.
Rechner: Überschlagen Sie Ihre Ausgangslage
Der Rechner rechnet mit dem Upload, einem Wirkungsgrad für Protokoll-Overhead und Dateianzahl und den Zeitfenstern ausserhalb der Arbeitszeit. Er ersetzt keine Testmigration, zeigt aber, ob Sie in Nächten, Wochenenden oder Wochen denken müssen.
Wirkungsgrad: 70 bis 80 % bei wenigen grossen Dateien, 30 bis 50 % bei sehr vielen kleinen. Werktagsnacht: 14 Stunden entsprechen 18 bis 8 Uhr. Ein Wochenende zählt mit 62 Stunden (Freitag 18 Uhr bis Montag 8 Uhr).
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Was der Pre-Migration-Scan finden muss
Bevor die erste Datei kopiert wird, läuft ein Scan über alle Laufwerke. Microsoft bringt dafür eigene Werkzeuge mit, den Migration Manager im SharePoint Admin Center und das SharePoint Migration Tool. Beide scannen die Quelle vorab und melden, was nicht migriert werden kann.
| Thema | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Pfadlänge | Der vollständige Pfad in SharePoint darf 400 Zeichen nicht überschreiten. Tiefe Ordnerstrukturen mit langen Namen sind der häufigste Fehler. |
| Zeichen und Namen | Zeichen wie " * : < > ? | \, führende oder abschliessende Leerzeichen und reservierte Namen wie CON oder desktop.ini werden nicht übernommen. |
| Dateigrösse | Einzelne Dateien bis 250 GB. Darüber liegen meist Backups oder Images, die ohnehin nicht nach SharePoint gehören. |
| Berechtigungen | Microsoft empfiehlt höchstens 5'000 eindeutige Berechtigungen pro Bibliothek. Rechte auf einzelnen Ordnern und Dateien sollten vorher auf Gruppen und Bibliotheken zurückgeführt werden. |
| Altdaten und Dubletten | Was seit Jahren niemand geöffnet hat, wird archiviert statt migriert. Das spart Zeit und Speicher im Tenant. |
| Synchronisation | Für eine gute Leistung empfiehlt Microsoft, insgesamt nicht mehr als 300'000 Dateien mit OneDrive zu synchronisieren. Grosse Bibliotheken werden im Browser oder in Teams genutzt, nicht komplett lokal. |
Wie viel Aufräumen ist nötig?
So viel, dass die Migration technisch durchläuft und die Struktur in SharePoint verständlich wird. Nicht mehr. Ein vollständiges Neuordnen aller Ablagen vor der Migration verzögert das Projekt meist um Monate und gelingt selten. Bewährt hat sich:
- Technische Blocker vorher beheben: Pfadlängen, Zeichen, übergrosse Dateien.
- Berechtigungen vereinfachen: Gruppen statt Einzelpersonen, Rechte auf Bibliotheksebene statt auf einzelnen Ordnern.
- Laufwerke fachlich schneiden: pro Abteilung oder Aufgabe eine Site oder ein Team, nicht ein riesiges «Laufwerk G» in SharePoint.
- Altdaten mit Stichtag archivieren, mit Zustimmung der Fachbereiche.
Der Ablauf, der den Tagesbetrieb schont
- Scan und Bereinigung der Blocker, Zielstruktur mit den Fachbereichen festlegen.
- Rechte-Mapping: AD-Gruppen den SharePoint-Gruppen zuordnen.
- Testmigration einer Abteilung, Durchsatz messen, Zeitplan nachschärfen.
- Erstkopie in Nächten und an Wochenenden, Fortschritt pro Bibliothek protokolliert.
- Delta-Läufe: inkrementelle Wiederholungen übertragen nur noch Änderungen.
- Cutover ausserhalb der Kernzeit: letzter Delta-Lauf, Laufwerke schreibgeschützt, Einweisung der Anwender.
Eine Fileserver-Migration ist planbar. Unplanbar wird sie nur, wenn man mit dem Kopieren anfängt, bevor man weiss, was man kopiert.
Wenn bei Ihnen eine solche Migration ansteht, gerne zusammen mit Intune, AD-Bereinigung und dem Betrieb danach: Auf der Seite M365-Betrieb & Migration beschreiben wir, wie wir dabei vorgehen.